Immobilien-Lexikon · Sachwertverfahren
Sachwertverfahren: Wie der Wert eines Einfamilienhauses aus Herstellungskosten, Alter und Marktanpassung entsteht
Definition in einem Satz
Sachwertverfahren – was ist das? Das Sachwertverfahren (§§ 35–39 der Immobilienwertermittlungsverordnung, ImmoWertV) leitet den Immobilienwert aus den Herstellungskosten des Gebäudes ab: Normalherstellungskosten minus Alterswertminderung, plus Bodenwert, angepasst an den regionalen Markt über Regionalfaktor und Sachwertfaktor. Es ist das typische Verfahren für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser, für die es zu wenige Vergleichsverkäufe gibt.
So wird der Sachwert berechnet
Zuerst der Gebäudesachwert: Die Normalherstellungskosten (NHK) je Quadratmeter Brutto-Grundfläche – abhängig von Gebäudeart und Ausstattungsstandard – werden mit der Fläche multipliziert und über den Baupreisindex auf den Wertermittlungsstichtag gebracht. Davon geht die Alterswertminderung ab: linear über die Gesamtnutzungsdauer (bei Wohnhäusern typischerweise 80 Jahre), wobei Modernisierungen die Restnutzungsdauer verlängern. Dazu kommen Außenanlagen und der Bodenwert aus dem Bodenrichtwert. Das Ergebnis ist zunächst nur der vorläufige Sachwert – eine Kostengröße, noch kein Marktpreis.
Regionalfaktor und Sachwertfaktor: die Marktanpassung
Ein Haus kostet in Frechen-Königsdorf anderes Geld als im Sauerland, obwohl die Baukosten ähnlich sind. Deshalb passt die ImmoWertV den Sachwert zweifach an den Markt an: Der Regionalfaktor korrigiert die bundeseinheitlichen Herstellungskosten auf das örtliche Baukostenniveau, der Sachwertfaktor (Marktanpassungsfaktor) übersetzt den Substanzwert in das, was Käufer am Ort tatsächlich zahlen – beide werden von den Gutachterausschüssen aus echten Kaufpreisen abgeleitet. In gefragten Lagen liegt der Sachwertfaktor teils deutlich über 1, in schwachen darunter. Wer ohne diese Faktoren rechnet, verfehlt den Markt.
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Ersteinschätzung anfragenTypische Fehler bei der Sachwert-Berechnung
Die drei häufigsten: Erstens werden Eigenleistungen und Liebhaber-Ausstattung mit ihren Anschaffungskosten angesetzt, obwohl der Markt sie nicht voll honoriert. Zweitens wird die Restnutzungsdauer ohne Modernisierungsprüfung geschätzt – ein kernsaniertes Haus von 1965 hat eine andere Restnutzungsdauer als ein unsaniertes. Drittens fehlt die Marktanpassung, sodass „errechneter Wert“ und erzielbarer Preis auseinanderlaufen. Der gem. DIN EN ISO/IEC 17024 zertifizierte Immobiliengutachter belegt jede dieser Stellgrößen mit amtlichen Daten.
Unterschied zwischen Sachwert und Verkehrswert
Der Sachwert beschreibt die Substanz (Was würde es kosten, das Haus heute zu bauen, abzüglich Alter?), der Verkehrswert (§ 194 BauGB) den Markt (Was zahlen Käufer dafür?). Erst der marktangepasste Sachwert – über Sachwertfaktor und objektspezifische Merkmale – begründet den Verkehrswert. Deshalb kann der Verkehrswert eines Hauses unter seinen Baukosten liegen, etwa bei Sanierungsstau in schwacher Lage, oder darüber, wenn Grundstücke knapp sind. Die Differenz zwischen Sachwert und Ertragswert wiederum zeigt bei vermieteten Objekten, ob Substanz oder Rendite den Markt bestimmen.

Fachlich verantwortet von Wirtschaftsjurist (LL.M.) Alexander Motyl
Geschäftsführer COLOGNE IMMOBILIEN GmbH, Frechen · Autor von „Optimal bewerten – erfolgreich verkaufen“
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- Gem. DIN EN ISO/IEC 17024 durch die DIA Consulting AG (DIAZert – Zertifizierungsstelle der DIA Consulting AG – DAkkS akkreditierte Zertifizierungsstelle) zertifizierter Sachverständiger für die Marktwertermittlung gemäß ImmoWertV von Standardimmobilien LS (Wohn- und Gewerbeimmobilien), Zert.-Nr. DIA-IB-685
- Diplom-Sachverständiger (DIA an der Universität Freiburg) für bebaute und unbebaute Grundstücke, für Mieten und Pachten
- Recognised European Valuer – TEGoVA – REV-DE/IVD/2026/5
- DEKRA zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung – D3 für komplexe Wohngebäude und gewerbliche Objekte (Nr. PC25416-00030)
- International Appraiser (DIA an der Universität Freiburg)
Alle Lexikon-Beiträge entstehen aus der täglichen Bewertungs- und Verkaufspraxis in Köln und im Rhein-Erft-Kreis – aus über 800 Gutachten seit 2008.
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Häufige Fragen
Fragen zum Thema Sachwertverfahren
Für welche Immobilien gilt das Sachwertverfahren?
Was ist der Regionalfaktor im Sachwertverfahren?
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