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Die EZB erhöht den Leitzins: Was bedeutet das für Immobilienpreise in Köln – und für Mehrfamilienhäuser?

Titelbild: Visualisierung · KI-generiert, kein reales Objekt

Ratgeber · Markt & Zinsen · Stand 24.09.2026

Am 10. September 2026 hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Viele Eigentümer fragen sich jetzt: Sinken die Immobilienpreise? Die ehrliche Antwort lautet: Der Zinsschritt allein entscheidet das nicht. Was er für Häuser, Wohnungen und besonders für Mehrfamilienhäuser in Köln und im Rhein-Erft-Kreis bedeutet, ordnen wir hier mit belegten Zahlen ein.

Kurz erklärt

Leitzins und Bauzins sind nicht dasselbe. Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen oder dort anlegen. Die Zinsen für Immobilienkredite mit zehn Jahren Zinsbindung orientieren sich dagegen vor allem an langlaufenden Anleihen, etwa der zehnjährigen Bundesanleihe. Beide hängen zusammen, bewegen sich aber nicht im Gleichschritt.

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Was die EZB am 10. September beschlossen hat

Der EZB-Rat hat alle drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht. Die neuen Sätze gelten seit dem 16. September 2026:

Satz bisher seit 16.09.2026
Einlagefazilität 2,25 % 2,50 %
Hauptrefinanzierungssatz 2,40 % 2,65 %
Spitzenrefinanzierungssatz 2,65 % 2,90 %

Es ist die zweite Erhöhung nach der vom Juni 2026 – davor waren die Sätze seit 2025 unverändert. Als Grund nennt die EZB den anhaltenden Preisdruck, vor allem durch Energie: Die Inflation im Euroraum lag im August 2026 bei 3,3 Prozent. Weitere Schritte hat die Notenbank weder angekündigt noch ausgeschlossen; sie entscheidet nach eigener Aussage von Sitzung zu Sitzung. Die nächste Zinsentscheidung steht am 29. Oktober 2026 an.

Warum der Bauzins nicht einfach mitsteigt

Für eine Immobilienfinanzierung mit zehn Jahren Zinsbindung ist der Kapitalmarkt wichtiger als der einzelne EZB-Schritt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist seit Ende Juli von knapp 3,2 auf rund 3,5 Prozent gestiegen – das ist der Bewegung der Bauzinsen vorausgelaufen. Für zehn Jahre Zinsbindung nennt Interhyp in der Woche vom 14. bis 20. September 4,20 Prozent bei 80 Prozent Beleihung, je nach Beleihung 4,08 bis 4,49 Prozent. Zuletzt gab der Frühindikator am Kapitalmarkt leicht nach; ob das bei den Bauzinsen ankommt, ist offen. Anfang 2026 lag der durchschnittliche Effektivzins für solche Darlehen laut Bundesbank noch bei rund 3,7 Prozent, im Jahr 2021 bei rund 1,3 Prozent.

Für Käufer heißt das: Dieselbe Monatsrate trägt heute einen etwas kleineren Kredit als zu Jahresbeginn. Für Verkäufer heißt es: Käufer rechnen genauer – und Finanzierungszusagen werden wichtiger als Absichtserklärungen.

Was die Zahlen bisher zeigen – und was noch nicht

Alle verfügbaren Preisdaten stammen aus der Zeit vor der September-Erhöhung. Sie zeigen einen Markt, der sich im ersten Halbjahr 2026 leicht aufwärts bewegt hat:

  • Deutschland: Der Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) lag für Wohnimmobilien im zweiten Quartal 2026 um 1,9 Prozent über dem Vorjahr, für Mehrfamilienhäuser um 1,6 Prozent. Die Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern stiegen um 3,2 Prozent.
  • Köln: Für Wohnimmobilien in Köln weist der vdp ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.
  • Umsätze 2025: Der Gutachterausschuss der Stadt Köln hat für 2025 655 Kauffälle bei Mehrfamilienhäusern registriert – 15 Prozent mehr als im Vorjahr – mit einem Geldumsatz von rund 1,22 Milliarden Euro. Im Rhein-Erft-Kreis waren es 165 Mehrfamilienhäuser mit rund 151 Millionen Euro.

Belegt ist also: Der Markt war vor der Zinserhöhung aktiv, die Mieten steigen weiter, wenn auch langsamer. Nicht belegt ist bisher, dass die Preise in Köln wegen der September-Erhöhung sinken. Wer das heute behauptet, spekuliert. Die Stimmung hat sich allerdings eingetrübt: Im Immobilienstimmungsindex von ZIA und Institut der deutschen Wirtschaft fielen die Erwartungen für Wohnimmobilien im dritten Quartal deutlich ins Minus.

Mehrfamilienhäuser: Hier wirkt der Zins am direktesten

Ein Mehrfamilienhaus wird nicht nach Gefühl, sondern nach Ertrag bewertet. Käufer sind überwiegend Kapitalanleger, und sie vergleichen die Rendite des Hauses mit den Kosten ihres Kredits. Ein Beispiel mit den amtlichen Kölner Marktdaten: Der Gutachterausschuss nennt für Mietwohnhäuser einen durchschnittlichen Rohertragsfaktor von 21 – das entspricht einer Bruttoanfangsrendite von rund 4,8 Prozent. Liegt der Kreditzins bei rund 4 Prozent, bleibt nach Bewirtschaftungskosten wenig Abstand. Entsprechend genauer schauen Anleger hin.

Daraus folgen drei Beobachtungen, die sich mit Marktberichten decken:

  1. Eigenkapitalstarke Käufer gewinnen an Gewicht. Wer weniger finanzieren muss, ist vom Zinsniveau weniger abhängig.
  2. Qualität wird stärker unterschieden. Nach Zahlen von JLL ist der Renditeabstand zwischen guten und durchschnittlichen Wohnobjekten in den großen Städten im ersten Halbjahr 2026 von 50 auf 68 Basispunkte gewachsen. Zustand, Mietverträge und Unterlagen entscheiden damit sichtbarer über den Preis.
  3. Die Mieten stützen den Wert. Steigende Mieten erhöhen den Ertrag – ein Gegengewicht zum höheren Zins. Wie stark, hängt vom einzelnen Haus und seinen Mietverträgen ab.

Was das für Ihr Haus bedeutet, können Sie selbst überschlagen: Unser Ertragswertrechner für Mehrfamilienhäuser arbeitet mit den Liegenschaftszinssätzen der Gutachterausschüsse Köln und Rhein-Erft-Kreis und zeigt Kaufpreisfaktor und Bruttoanfangsrendite gleich mit.

Und Einfamilienhäuser und Wohnungen?

Hier kaufen überwiegend Selbstnutzer, und für sie zählt die Monatsrate. Schon vor der Erhöhung hielten in einer Umfrage von Interhyp 46 Prozent der Befragten Immobilien in ihrer Region für kaum leistbar. Höhere Zinsen verschärfen diese Frage. Ob Ihr Wunschpreis für Käufer finanzierbar ist, zeigt unser Leistbarkeitsrechner aus Käufersicht.

Was Eigentümer jetzt tun können

  1. Den Wert kennen, nicht schätzen. In einem Markt, in dem Käufer genauer rechnen, trägt ein belegter Wert durch die Verhandlung. Grundlage ist die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV).
  2. Unterlagen vollständig machen. Mieterliste, Mietverträge, Energieausweis, Bauakten – was offen liegt, kann ein Käufer nicht mehr gegen den Preis verwenden. Die Liste finden Sie in unserer Unterlagen-Checkliste.
  3. Kaufkraft vor der Verhandlung prüfen. Bei höheren Zinsen scheitern Käufe häufiger an der Finanzierung. Wir prüfen die Kaufvoraussetzungen der Interessenten deshalb selbst, abhängig von der Verkaufssumme.
  4. Nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten. Wie sich Zinsen und Preise in den nächsten Monaten entwickeln, kann niemand verlässlich vorhersagen. Entscheidend ist, ob der Verkauf zu Ihrer Lebens- und Vermögensplanung passt – wie wir dabei vorgehen, beschreibt die COLOGNE-Strategie.

Einen Überblick über die Preise je Stadt finden Sie auf unserer Seite Immobilienmarkt Köln und Rhein-Erft.

Häufige Fragen zur Leitzinserhöhung und zu Immobilienpreisen

Hat die EZB den Leitzins im September 2026 erhöht?

Ja. Der EZB-Rat hat am 10. September 2026 alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Seit dem 16. September 2026 liegt die Einlagefazilität bei 2,50 Prozent und der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Es war die zweite Erhöhung nach der vom Juni 2026.

Steigen durch die Leitzinserhöhung auch die Bauzinsen?

Nicht automatisch. Bauzinsen mit zehn Jahren Zinsbindung folgen vor allem den Renditen langlaufender Anleihen. Diese sind seit Ende Juli 2026 bereits gestiegen; Interhyp nennt für zehn Jahre Zinsbindung in der Woche vom 14. bis 20. September 4,20 Prozent bei 80 Prozent Beleihung. Ihr persönlicher Zins hängt von Beleihung und Bonität ab.

Sinken die Immobilienpreise in Köln wegen der Zinserhöhung?

Das lässt sich derzeit nicht belegen. Die verfügbaren Preisdaten stammen aus der Zeit vor der September-Erhöhung und zeigen für Köln ein leichtes Plus. Höhere Zinsen dämpfen die Kaufkraft, steigende Mieten stützen die Werte. Wie sich das auf Ihre Immobilie auswirkt, zeigt eine Bewertung im Einzelfall.

Warum reagieren Mehrfamilienhäuser stärker auf Zinsen?

Mehrfamilienhäuser werden über ihren Ertrag bewertet und meist von Kapitalanlegern gekauft. Diese vergleichen die Rendite des Hauses mit ihren Finanzierungskosten. Steigen die Zinsen, rechnen sie genauer; Zustand, Mietverträge und vollständige Unterlagen werden dann stärker im Preis sichtbar.

Sollte ich mit dem Verkauf warten, bis die Zinsen wieder sinken?

Wie sich Zinsen und Preise entwickeln, kann niemand verlässlich vorhersagen. Sinnvoller als das Warten auf einen Zeitpunkt ist es, den Wert der eigenen Immobilie zu kennen und den Verkauf an der eigenen Planung auszurichten. Steuerliche Fragen, etwa zu Haltefristen, klären Sie bitte mit Ihrer Steuerberatung.

Dieser Beitrag ordnet den Stand vom 24.09.2026 ein. Er ist keine Anlage-, Finanzierungs- oder Steuerberatung; für Finanzierungsfragen wenden Sie sich an Ihre Bank oder Finanzierungsberatung, für Steuerfragen an Ihre Steuerberatung.

Quellen

  1. EZB: Geldpolitische Beschlüsse vom 10.09.2026 (Pressekonferenz, Sätze, Inflationsprojektion) – https://www.ecb.europa.eu/press/press_conference/monetary-policy-statement/shared/pdf/ecb.ds260910~fbf0ab9b8d.de.pdf
  2. EZB: Leitzinsen im Zeitverlauf – https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/key_ecb_interest_rates/html/index.en.html
  3. LBBW: Termine der EZB-Ratssitzungen 2026 – https://www.lbbw.de/artikel/maerkte-verstehen/ezb-zinsentscheid-leitzins-prognosen_ait4bfmrfe_d.html
  4. Interhyp: Bauzinsen aktuell (Stand 10.09.2026) – https://www.interhyp.de/zinsen/
  5. Dr. Klein: Kommentar zum EZB-Entscheid (09.09.2026) – https://www.drklein.de/ezb-entscheid-zinserhoehung-erwartet.html
  6. Deutsche Bundesbank: Effektivzinssätze Wohnungsbaukredite (Zeitreihe) – https://www.bundesbank.de/resource/blob/615036/aa09ce060a03d2ed87adc856473c54eb/472B63F073F071307366337C94F8C870/s510athyp-data.pdf
  7. Trading Economics: Rendite 10-jährige Bundesanleihe – https://de.tradingeconomics.com/germany/government-bond-yield
  8. vdp: Immobilienpreisindex Q2 2026 – https://www.pfandbrief.de/uneinheitliche-entwicklung-der-immobilienpreise/
  9. Haufe: vdp-Index Q2 2026 nach Städten – https://www.haufe.de/immobilien/investment/vdp-immobilienpreisindex_256_515900.html
  10. Gutachterausschuss Köln: Grundstücksmarktbericht 2026 – https://www.gars.nrw/images/user/GA_K%C3%B6ln/GMB2026_Digitalversion.pdf
  11. Gutachterausschuss Rhein-Erft-Kreis: Grundstücksmarktbericht 2026 – https://www.gars.nrw/images/user/GA_Rhein-Erft-Kreis/GMB_2026.pdf
  12. JLL: Wohninvestmentmarkt H1 2026 – https://www.jll.com/de-de/newsroom/gutes-zweites-quartal-sorgt-fuer-stabile-entwicklung-am-wohninvestmentmarkt
  13. ZIA/IW: Immobilienstimmungsindex Q3 2026 – https://www.presseportal.de/pm/107953/6354475
  14. Interhyp: Leistbarkeitsstudie 2026 – https://www.interhyp.de/ueber-interhyp/presse/interhyp-leistbarkeitsstudie-2026/
Alexander Motyl, Wirtschaftsjurist LL.M. und Buchautor, gem. DIN EN ISO/IEC 17024 zertifizierter Immobiliengutachter, Frechen

Autor dieses Beitrags

Wirtschaftsjurist LL.M. und Buchautor Alexander Motyl | Geschäftsführer COLOGNE IMMOBILIEN GmbH

International Appraiser (DIA an der Universität Freiburg) – Diplom-Sachverständiger (DIA an der Universität Freiburg) für bebaute und unbebaute Grundstücke, Mieten und Pachten – gem. DIN EN ISO/IEC 17024 durch die DIA Consulting AG (DIAZert – DAkkS akkreditierte Zertifizierungsstelle) zertifizierter Sachverständiger für die Marktwertermittlung gemäß ImmoWertV von Standardimmobilien (Wohn- und Gewerbeimmobilien), Zert.-Nr. DIA-IB-685 – Recognised European Valuer (REV, TEGoVA; REV-DE/IVD/2026/5) – DEKRA zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung D3 (PC25416-00030) – Real Estate Asset Manager (DIA an der Universität Freiburg) – geprüfter Immobilien-Projektentwickler (IHK/EIA) – Projektmanager Level D (GPM)

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